27-03-2018

BMZ | Fragility Forum der Weltbank

In Washington D.C. richtete die Weltbank vom 5.-7. März 2018 das Fragility Forum aus. Unter der Überschrift „Managing Risks for Peace and Stability“ diskutierten über 1000 Teilnehmer/innen aus über 90 Ländern bei insgesamt 47 Veranstaltungen zu innovativen Ideen und strategischen Ansatzpunkten für Krisenprävention und Friedensförderung. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) organisierte als offizieller Partner des Forums zwei Veranstaltungen zum Wiederaufbau im Nahen und Mittleren Osten (engl. Middle East and North Africa, MENA) sowie zum Nexus „Klima, Katastrophen und Konflikt“. Insgesamt gehörte Deutschland zu den aktivsten bilateralen Partnern und war mit weiteren Vertreter/innen und Veranstaltungen des Auswärtigen Amtes, der GIZ sowie KfW auf dem Forum vertreten.

Zur Eröffnung des Forums betonte Weltbank-Präsident Kim, dass Fragilität die entscheidende Entwicklungsherausforderung unserer Zeit sei. Zwar seien insgesamt wichtige Erfolge bei der Reduzierung der absoluten Armut erzielt worden, die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen in fragilen Staaten werde sich allerdings bis zum Jahr 2030 weiter erhöhen, wenn nicht entschieden gegengesteuert werde. Die Weltbank werde daher vermehrt in Projekte in fragilen Staaten investieren und habe dafür von ihren Einlegern eine Verdoppelung der Mittel auf 14 Mrd. USD für fragile und von Konflikt betroffene Staaten unter dem Internationalen Entwicklungsfenster (engl. International Development Association, IDA) erhalten.

Franck Bousquet, Leiter der Einheit „Fragility, Conflict and Violence“, fasst die Ergebnisse des Forums in vier Leitmotiven zusammen:

  • Prävention muss Dreh- und Angelpunkt beim Management von Konflikt- und Krisenrisiken sein.
  • Partnerschaften zwischen humanitären, Sicherheits-, Friedens- und Entwicklungsakteuren müssen vertieft werden.
  • Der Privatsektor muss auch in fragilen Kontexten als wichtige Quelle für Wachstum, Arbeitsplätze und Dienstleistungen gesehen werden.
  • Vulnerable Gruppen wie Flüchtlinge, Frauen und Kinder müssen geschützt und gefördert werden.

Mit viel Aufmerksamkeit wurde die offizielle Vorstellung der gemeinsamen Studie der Vereinten Nationen (VN) und Weltbank (WB) „Pathways for Peace: Inclusive Approaches to Preventing Violent Conflict“ verfolgt. Ziel der Studie ist, die internationale Aufmerksamkeit verstärkt auf Krisenprävention zu lenken und Ansätze der Krisenprävention mit nachgewiesener Wirksamkeit zu fördern. Hierfür wurden 15 Fallstudien ausgewertet und Handlungsempfehlungen für verschiedene Phasen des Konflikts abgeleitet.

Als Delegationsleiterin des BMZ eröffnete Frau Dr. Bögemann-Hagedorn, Unterabteilungsleiterin für Nordafrika, Nahost, Südost- und Osteuropa sowie Lateinamerika, ein Panel zu "Disasters and climate change as risk multipliers in fragile contexts“, welches das BMZ in Partnerschaft mit der Weltbank und dem Overseas Development Institute (ODI) organisierte.

Vor dem Hintergrund weltweit zunehmender extremer Wetterereignisse und Risiken für Katastrophen wird ein stärkeres internationales Engagement für Anpassungsmaßnahmen in fragilen Staaten gefordert. Die Bevölkerung in fragilen und von Konflikt geprägten Staaten ist besonders verwundbar und hohen Risiken ausgesetzt. Beim Humanitären Weltgipfel 2016 hatte sich die Weltgemeinschaft zu einem „New Way of Working“ verpflichtet, bei dem die Risiken von Fragilität und Klimawandel frühzeitig in den Blick genommen sowie Humanitäre Hilfe besser mit Ansätzen der Entwicklungszusammenarbeit verzahnt werden.

Frau Bögemann-Hagedorn unterstrich Deutschlands Einsatz für innovative Partnerschaften wie mit der Global Facility for Disaster Reduction and Recovery (GFDRR) und der InsuResilience Global Partnership, um insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen besser präventiv zu schützen. Anschließend diskutierten Laura Tuck (Vice President Sustainable Development, Weltbank), Achim Steiner (Administrator, UNDP), Sherri Goodman (Fellow, Centre for Climate and Security and Wilson Centre) und Ajaya Dixit (Director, Institute for Social and Environmental Transition, Nepal) mit mehr als 70 Teilnehmer/innen die weltweit zunehmenden Risiken durch extreme Naturereignisse und ihre Auswirkungen auf Konflikt und Fragilität. Achim Steiner, der per Live-Video zugeschaltet war, kritisierte in seinem Beitrag die Diskrepanz zwischen dem global gewachsenen Verständnis für die komplexen Folgen des Klimawandels und den unzureichenden Antworten der Weltgemeinschaft auf die bestehenden Risiken.

In einer weiteren Veranstaltung, die auf Anregung des BMZ von der Weltbank Vize-Präsidentschaft MENA organisiert wurde, diskutierten die ca. 100 Teilnehmer/innen über den Wiederaufbau in der MENA-Region. Im nächsten Jahr wird ein Flagship Report zum Wiederaufbau in der MENA-Region veröffentlicht – dieser wird das bisherige Vorgehen in Frage stellen und den Fokus auf gesellschaftliche Prozesse legen, die mit inklusivem Wiederaufbau einhergehen soll. In einer spannenden Diskussion stellten die Panelist/innen zentrale Erfahrungen bei Wiederaufbauprozessen vor und entwickelten Empfehlungen, wie die Gebergemeinschaft ihr Handeln überdenken sollte.

Die Diskussion in der Weltbank brachte verschiedene Perspektiven zusammen und verdeutlichte die Komplexität der Herausforderungen beim Wiederaufbau nach Kriegen. Die frühere Ministerin für Menschenrechte in Jemen, Dr. Amat Alsoswa, hob die Rolle von Frauen im Wiederaufbau hervor und unterstrich, dass Frauen und Männer gleichberechtigt an allen Entscheidungen im Wiederaufbau mitwirken müssten. Waleed Abdelwahab, Abteilungsleiter bei der Islamischen Entwicklungsbank betonte, dass Wiederaufbau und gesellschaftlicher Neubeginn zusammen gedacht werden sollten und auch die Entwicklung neuer Gesellschaftsverträge bedeuteten. Moises Venancio, Regionaler Berater bei UNDP und Teamleiter einer VN Inter-Agency Task Force für Syrien hob die politische Dimension des Wiederaufbaus hervor, bei der die Bedarfe der Bevölkerung in den Mittelpunkt gestellt werden müssten. Daniel Lederman, Deputy Chief Economist für die MENA Region bei der Weltbank stellte Ideen für innovative Wirtschaftsförderung im Kontext von Wiederaufbau vor. Frau Dr. Bögemann-Hagedorn betonte die Bedeutung von guter Regierungsführung und Rechenschaftspflicht, um den Kriegsökonomien in der Region ein Ende zu setzen. In ihrem Beitrag entwickelte sie angesichts der immensen „unsichtbaren Kriegsschäden“ Empfehlungen für die bessere Berücksichtigung von sozialer Kohäsion sowie psychosozialer Unterstützung von Geflüchteten und Gewaltopfern und beschrieb entwicklungspolitische Ansätze zur Förderung von Beschäftigung insbesondere für junge Menschen in der MENA Region. Die Diskussion wurde vom Senior Advisor bei der Weltbank und Leiter der Arbeitsgruppe für den Flagship Report, seiner Exzellenz Abdallah Al Dardari moderiert.

Der Flagship Report wird vom BMZ finanziell und konzeptionell unterstützt, u.a. durch Hintergrundpapiere von DIE und UN Women sowie einem intensiven Austausch mit den deutschen Durchführungsorganisationen.

Das nächste Fragility Forum ist in zwei Jahren geplant und wird in Anbetracht des zunehmenden internationalen Engagements in fragilen Staaten sicherlich wieder auf großes Interesse stoßen.

Weitere Informationen:

Ulrike Hopp-Nishanka, BMZ
Ulrike.Hopp-Nishanka(at)bmz.bund.de

Oliver Meinecke, BMZ
RL323(at)bmz.bund.de 

Links und Literatur:

Aufzeichnung der BMZ/ODI Veranstaltung: Disasters and climate change as risk multipliers in fragile contexts 

Aufzeichnung der Weltbank Vize-Präsidentschaft MENA Veranstaltung: Building for Peace: Inclusive Reconstruction in the Middle East and North Africa

Gemeinsame UN/Weltbank Studie: Prävention wirkt – und inklusive Entwicklung ist der beste Weg dorthin
Marc Baxmann und Max Middeke | FriEnt-Blog | September 2017

Homepage des Fragility Forums

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