23-05-2017

BMZ | Neuer Schwung für Konfliktprävention und Friedensförderung

“Violence is on the rise. Almost half the world’s people have been affected by some form of political violence over the last 15 years. […] In both political and social forms of violence, civilians are most at risk.” Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) States of Fragility Report 2016. Am 26. April 2017 stellte die OECD ihren neuen Bericht „States of Fragility Report 2016: Understanding Violence“ im Rahmen der Veranstaltung im BMZ „A push for conflict prevention and peacebuilding“ der deutschen Fachöffentlichkeit vor.

Brenda Killen, Vizedirektorin des OECD Entwicklungsdirektorats und Thomas Helfen, Leiter des BMZ Referats Frieden und Sicherheit; Katastrophenrisikomanagement eröffneten die Veranstaltung mit eindringlichen Appellen für mehr Investitionen in Krisenprävention und Friedensförderung in fragilen Staaten sowie langfristigen und nachhaltigen Ansätzen zur Bearbeitung von Konfliktursachen. Nur durch eine prioritäre Bearbeitung der Ursachen von Fragilität, Konflikten und Gewalt könnten die ambitionierten Ziele der Agenda 2030 und insbesondere Ziel 16 zu „friedliche und inklusive Gesellschaften“ umgesetzt und damit auch Fluchtursachen konsequent adressiert werden.

Sara Batmanglich vom Konflikt, Fragilitäts- und Resilienzteam der OECD stellte nachfolgend den OECD Fragilitätsbericht 2016 vor. Dieser führt ein risikobasiertes und universales Fragilitätsmodell mit fünf Dimensionen ein: Gesellschaft, Sicherheit, Politik, Wirtschaft und Umwelt. Da jedes Land Aspekte von Fragilität in zumindest einigen dieser fünf Dimensionen aufweise, veröffentlicht der Bericht nicht mehr wie in den Vorjahren eine abschließende Liste fragiler Länder.

Inhaltlich richtet der Bericht 2016 den Fokus auf das Thema Gewalt. Insbesondere Zivilisten seien von Gewalt betroffen. Neun von zehn Gewaltopfern kämen jedoch nicht in Bürgerkriegen um, sondern durch Kriminalität und andere Formen von gesellschaftlicher Gewalt. Gewalt sei also vielschichtig und werde zunehmend durch transnationale Phänomene, wie organisierte Kriminalität oder Terrorismus verursacht.

Vor diesem Hintergrund entspann sich eine lebhafte Paneldiskussion mit renommierten Experten und Expertinnen. Alexandre Marc von der Weltbank, Véronique Dudouet von der Berghof Foundation, Gudrun Kramer vom Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK) und Mark Shaw von der Global Initiative against Transnational Organized Crime diskutierten verschiedene Aspekte von Konfliktprävention und Friedensförderung mit den ca. 60 Teilnehmenden aus Regierung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Konsens herrschte bei der Forderung nach mehr Investitionen der Geber in Prävention zur Bewältigung von Krisen und Gewalt und in langfristige Ansätze. Der multidimensionale Ansatz des neuen Fragilitätsmodells der OECD wurde einem eher engeren Fragilitätsbegriff entgegengestellt, der sich auf Aspekte von gesellschaftlichen und politischen Faktoren sowie Friedensförderung konzentriert.

Der Fragilitätsbericht der OECD wird jährlich mit einem Fokusthema veröffentlicht, gibt einen Überblick über die Finanzflüsse in fragile Staaten und kategorisiert fragile Kontexte entlang des Fragilitätsmodells der OECD. Das BMZ hat die Veröffentlichung in den vergangenen Jahren unterstützt, beispielsweise durch die Ausrichtung der europäischen Expertenkonsultationen zum Fragilitätsmodell der OECD im Herbst 2015 in Berlin.

Weitere Informationen:

Dr. Nora Röhner, BMZ
Nora.Roehner(at)bmz.bund.de

Links und Literatur:

States of fragility 2016. Understanding Violence
OECD | 2016

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