23-04-2019

Brot für die Welt, Misereor | Fokus Sahel – Tagung zu zivilgesellschaftlichem Engagement im Kontext der Gewalt im Sahel

Welche Positionen, Prioritäten und Initiativen haben oder ergreifen lokale Akteure, um mit der zunehmenden Unsicherheit und Gewalt im Sahel umzugehen? Welche Interessen und Wirkungen haben zivile und militärische Interventionen internationaler Akteure im Sahel? Die Tagung „Wege aus der Gewalt? Gesellschaftliches Engagement im Kontext politischer Destabilisierung und gewaltsamer Konflikte im Sahel“ widmete sich genau diesen Fragen. Das zivilgesellschaftliche Netzwerk Fokus Sahel bot mit der Veranstaltung am 27.-28. März in der Evangelischen Akademie Frankfurt zivilgesellschaftlichen Vertreter*innen aus dem Sahel und aus Europa sowie Vertreter*innen aus Forschung und Politik eine Plattform, Arbeitserfahrungen im Kontext Sahel auszutauschen. Im Zentrum stand die Frage, welche Unterstützung lokale friedensfördernde Dynamiken brauchen, um in Wahrnehmung und Wirkung relevanter zu werden.

Es bestand Einigkeit bei den Gästen aus dem Sahel, das schlechte Regierungsführung, bzw. in peripheren Regionen die Abwesenheit des Staates, eine Hauptursache von Destabilisierung und Unsicherheit ist. Staatliche Dienstleitungen können somit nicht(mehr) gewährleistet werden: Schulen sind geschlossen, die Gesundheitsversorgung liegt brach und die Justiz wird mittlerweile häufig von djihadistischen und anderen Gewaltakteuren übernommen, die ganze Gebiete kontrollieren. Wirtschaft und Handel auf kommunaler Ebene leiden unter sicherheitsbedingten Risiken und Einschränkungen der Mobilität. Die ohnehin schwierige Situation, vor allem für junge Menschen, hat sich durch die Sicherheitskrise weiter verschlechtert, es mangelt an Möglichkeiten, Einkommen und Lebensunterhalt zu sichern, zudem sind junge Menschen in Entscheidungsprozessen marginalisiert.  

Da lokale Konflikte um Ressourcen eine entscheidende Rolle bei der Eskalation von Gewalt spielen, plädierten die Referent*innen aus dem Sahel für eine Aufwertung traditioneller, lokal angepasster und akzeptierter Konfliktlösungsmechanismen. Demgegenüber trägt eine von internationalen Akteuren unterstützte Militarisierung der Sahelstaaten eher zu einer Verstetigung dysfunktionaler Regime bei. Auch Deutschland beteiligt sich an zivilen und militärischen Missionen (MINUSMA, EUTM, EUCAP, sowie Finanzierung der FCG5-Sahel) und kooperiert dabei – ebenso wie andere internationale Akteure – auch mit Regierungen, die durch Menschenrechtsverletzungen, Repression und schwache Staatlichkeit mitverantwortlich für politische Krisen, Konflikte und humanitäre Notlagen sind. In diesem Kontext steht auch das Plädoyer der Tagungsgäste aus dem Sahel nach einer Aufwertung und besserem Schutz der Zivilgesellschaft als demokratische Kontrollinstanz, und einer besseren Einbeziehung dieser Akteure in regionale Institutionen und Entscheidungsprozesse.

Die Tagungsteilnehmenden erarbeiteten Empfehlungen, wie zukünftiges Engagement gestaltet werden kann, um zu mehr menschlicher Sicherheit beizutragen und gerechte Friedensprozesse zu unterstützen. Sie richten sich an Akteure in Politik und Zivilgesellschaft in Deutschland und der EU, und bieten somit auch für die im Netzwerk Fokus Sahel vertretenen Organisationen eine wichtige Orientierung für ihr Engagement in der Region sowie ihre politische Lobby- und Advocacyarbeit.

Eine ausführliche Dokumentation der Tagung wird in Kürze auf der Webseite des Netzwerks (www.fokussahel.de) abrufbar sein.

Weitere Informationen:

Grit Lenz, Fokus Sahel
fokus_sahel.lenz(at)yahoo.de

Links und Literatur:

Fokus Sahel