28-06-2018

Brot für die Welt | Studie zu Unternehmensverantwortung beim Platinabbau

Wenige Tage vor der BASF-Aktionärsversammlung Anfang Mai 2018 hat Brot für die Welt unter dem Titel „Edles Metall – Unwürdiger Abbau“ eine neue Studie zur Mitverantwortung deutscher Unternehmen an den Folgen des Platinabbaus in Südafrika herausgebracht.

Mehr als 70 Prozent des weltweit geförderten Platins stammt aus Südafrika. Zu den Hauptabnehmern zählen deutsche Unternehmen wie der Chemiekonzern BASF, der Platin zur Herstellung von Abgaskatalysatoren verwendet, die bei Daimler, BMW und VW zum Einsatz kommen. Doch während Platin in Deutschland dazu beiträgt, die Luft vor Autoabgasen reinzuhalten, verschmutzt der Abbau in Südafrika die Umwelt und trägt Mitschuld an der extremen Wasserkrise des Landes. Von den Gewinnen, die mit der Weiterverarbeitung erzielt werden, kommt in Südafrika kaum etwas an. Ein Großteil der Arbeiter/innen im Platinbergbau lebt noch immer in informellen Siedlungen.

Weil sich die Minen immer weiter ausbreiten, werden Menschen vom ihrem Land vertrieben und es kommt zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung. Die sozialen und ökologischen Probleme des Platinabbaus werden in der Studie durch zwei Fallbeispiele veranschaulicht. Die Marikana-Mine geriet 2012 weltweit in die Schlagzeilen, weil dort 34 streikende Arbeiter/innen von der Polizei erschossen wurden. Trotz der öffentlichen Aufmerksamkeit haben sich die Zustände vor Ort seitdem kaum verändert: Noch immer leben 30.000 der 32.000 Arbeiter/innen in Wellblechhütten, ohne Strom und fließend Wasser. Die Minenabgase verpesten die Luft und wegen der Wasserverknappung kommt oft tagelang kein Wasser aus den Pumpen. BASF nimmt mehr als die Hälfte der Jahresproduktion ab und hätte damit die wirtschaftliche Macht, darauf hinzuwirken, dass der Minenbetreiber seinen sozialen Verpflichtungen nachkommt, wird diesem Anspruch aber bislang nicht gerecht.

Das zweite Fallbeispiel stellt die Problematik der Mogalakwena-Mine dar. In der weltweit größten Übertagebau-Mine für Platin wird das Edelmetall in offenen Gruben abgebaut, was weitaus profitabler ist als der Abbau unter Tage. Die Mine ist daher das Flaggschiffprojekt ihres Betreibers Amplats. Der lokalen Bevölkerung haben die reichen Platinvorkommen dagegen nur Nachteile gebracht: Durch die stetige Ausdehnung des Abbaugebiets wurden tausende Menschen von ihrem Land vertrieben, ohne dafür angemessen entschädigt zu werden. Ihre Dörfer liegen nun zerstreut zwischen riesigen Minenhalden, Industrieanlagen und offenen Gruben. Weil der Grundwasserspiegel durch die Bergbauaktivitäten gesunken ist, können sie ihre Felder nicht mehr bewässern. Immer wieder kommt es zwischen der Lokalbevölkerung und dem Minenbetreiber zu gewaltsamen Konflikten, weil Versprechungen nicht eingehalten werden. BMW bezieht 90 Prozent seines Platinbedarfs direkt von Amplats. Obwohl südafrikanische NGOs zahlreiche Berichte über die negativen Auswirkungen der Mogalakwena-Mine veröffentlicht haben, wusste BMW bis zu der Studie angeblich nichts von den Problemen.

Damit sich daran etwas ändert, steht Brot für die Welt im Dialog mit deutschen Einkäufern von Platin, fordert sie dazu auf, ihrer Verantwortung gerecht zu werden und hat sich gemeinsam mit südafrikanischen Partnerorganisationen im Kampagnennetzwerk Plough Back the Fruits zusammengeschlossen, um auf die Missstände im Platinbergbau aufmerksam zu machen.

Weitere Informationen:

Sarah Lincoln, Brot für die Welt
sarah.lincoln(at)brot-fuer-die-welt.de 

Maren Leifker, Brot für die Welt
maren.leifker(at)brot-fuer-die-welt.de 

Links und Literatur:

Edles Metall ‒ Unwürdiger Abbau Platin aus Südafrika und die Verantwortung deutscher Unternehmen
Aisha Bahadur, Maren Leifker, Sarah Lincoln | Brot für die Welt | April 2018