26-06-2019

Global Peace Index 2019: Länder des Nahen- und Mittleren Ostens auf den letzten fünf Plätzen

Im Juni stellte das australische Institute for Economics & Peace (IEP) seine diesjährige Studie zum Global Peace Index (GPI) vor. Der GPI wird in 163 Ländern erhoben und lässt – auf der Grundlage von 23 qualitativen sowie quantitativen Indikatoren in den Bereichen Sicherheit, Konflikte, Militarisierung – datenbasierte Aussagen über das Niveau des globalen Friedens zu.

Demnach hat das Friedensniveau im Jahr 2019 erstmals seit fünf Jahren wieder zugenommen, liegt aber noch immer knapp 4% hinter dem Wert von 2008. Island bleibt, wie bereits seit 2008, auf Platz 1. Bhutan stieg in den letzten 12 Jahren 43 Plätze auf und erlebt dadurch die höchste Verbesserung innerhalb der Top-20. Auf den untersten Plätzen befinden sich allesamt Staaten aus dem Nahen- und Mittleren Osten: Afghanistan löst Syrien auf dem letzten Platz ab, Syrien wandert auf den vorletzten und direkt darüber kommen Süd-Sudan, Jemen und Irak. Zwischen 2008 und 2019 sind autoritäre Regime besonders stark erodiert.

Die GPI-Daten verweisen auch auf weitere erwähnenswerte Trends und tiefere Umbrüche: Etwa zur Frage, wie Konflikte ausgetragen werden oder in den Bereichen Klimawandel und internationale Politik. So sind die meisten Gewaltakte seit 2011 nichtstaatlicher Natur. Die Zahl der Toten durch Terrorismus ist zwar seit 2014 von 32.000 um ca. die Hälfte gefallen, bleibt aber im Vergleich zu 2006-2012 weiterhin hoch. Vor der steigenden Anzahl an Konflikten, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden, wird gewarnt: Beispielsweise ist gerade der Nahe- und Mittlere Osten von schwindenden Wasserressourcen betroffen, deren unmittelbare Folgen, etwa für die lokale Landwirtschaft, die generelle Konfliktanfälligkeit erhöhen. Außerdem ist mit der Wahl Donald Trumps das weltweite Vertrauen in die Führungskraft der USA enorm gefallen. Mittlerweile wird, laut der Studie, Deutschland – gefolgt von China – am meisten Vertrauen entgegengebracht.

Der Global Peace Index 2019 vermittelt ein umfassendes Bild über Trends im Themenbereich Frieden. Allerdings ist auch Vorsicht bei der Interpretation der Ergebnisse angebracht.  So bemerkte Klaus Boldt, Herausgeber von Entwicklungspolitik Online, bereits 2014, dass die GPI-Messung der staatlichen Friedensniveaus, die militärischen Interventionen von Staaten nicht miteinbezieht –  wodurch z.B. den USA ein hohes Friedensniveau zugeschrieben wird. Andere kritisieren das zugrundeliegende, aber nicht explizit geäußerte liberale Verständnis von Frieden: So umfassen die Indikatoren des GPI auch Markt-orientierte Faktoren wie die freie Entfaltung des Privatsektors, welche in den meisten afrikanischen Staaten eher zur Destabilisierung beitrage. Dagegen ist die Erfassung sozialer Gerechtigkeit nicht Teil des GPI.

Links und Literatur:

Global Peace Index 2019
Institute for Economics & Peace (IEP) | Juni 2019

Global Peace Index und Big Data: Warum man den Frieden messen muss 
Klaus Boldt | Entwicklungspolitik Online (epo) | August 2014

Challenges of Liberal Peace and Statebuilding in Divided Societies 
Christopher Zambakari | Accord | February 2017