22-10-2018

ECDPM Studien | Unterstützung für Friedensförderung in Zeiten des Wandels

Die Welt hat sich innerhalb der letzten Jahre rasanter verändert als sonst, u.a. in Folge von geopolitischen und nationalen politischen Dynamiken. Diese Veränderungen betreffen auch Europa und einzelne Politikfelder, wie das der Friedensförderung. Vor diesem Hintergrund, hat sich das European Centre for Development Policy Management (ECDPM) die Frage gestellt, welche Faktoren die Unterstützung für Friedensförderung beeinflussen, um somit voraussagen zu können, ob und wie sich das Feld wandeln wird.

Innerhalb der letzten 25 Jahren haben auf internationaler Ebene nur einige wenige Unterstützer*innen das Feld der Friedensförderung sowohl politisch als auch finanziell vorangetrieben. ECDPM hat einige dieser Länder und Institutionen untersucht: Deutschland, Schweden, Großbritannien und die EU Institutionen. In vier Fallstudien und einer Synthesis Studie kristallisieren sie acht Faktoren heraus, die den Handlungsbereich der Friedensförderung maßgeblich beeinflusst haben und damit auch für die Zukunft Veränderungen in der Unterstützung für Friedensförderung erklären könnten:

  1. Faktor: Die geopolitische Lage: So habe sich etwa die deutsche Führungsrolle in der Sicherheits-und Verteidigungspolitik u.a. aufgrund der europäischen Schwäche etabliert. Zudem habe der Wandel in der US-amerikanischen Außenpolitik oder der Brexit Einfluss auf das deutsche Engagement, internationale Institutionen und Normen zu unterstützen, genommen.
  2. Faktor: Die nationale politische Kultur und Geschichte: Über die politische Kultur, die nationale Geschichte und das eigene Selbstverständnis definiere sich auch die Einstellung zur friedlichen Konfliktbeilegung. So beeinflussten etwa die derzeitigen populistischen und rechtsnationalen Tendenzen in Europa, die Unterstützung für Friedensförderung.
  3. Faktor: Das Governance-System: Die Art und Weise wie und unter welchen bürokratischen und institutionellen Bedingungen außen- und entwicklungspolitische Entscheidungen getroffen werden, beeinflusse die Unterstützung (Qualität) für Friedensförderung ebenfalls maßgeblich.
  4. Faktor: Nationale Ereignisse mit einer internationalen Dimension: wie etwa Terroranschläge oder Migrationsbewegungen, können außen- und entwicklungspolitische Agenden ändern und damit Einfluss auf die Unterstützung für Friedensförderung ausüben.
  5. Faktor: Konflikte und Instabilität: So habe etwa der Einsatz in Afghanistan Einfluss auf politische Strategiepapiere und die Sicherheits-und Verteidigungspolitik in Europa gehabt.
  6. Faktor: Verbündete und Regierungsinitiativen: Die politischen Strategien und institutionellen Innovationen von Großbritannien und Schweden hätten beispielsweise die Strategien in anderen europäischen Ländern stark beeinflusst.
  7. Faktor: Internationale Verpflichtungen und Normen: Obwohl mit wesentlich viel weniger Einflussgrad als die vorherigen Faktoren, beeinflussten internationale Agenden, wie etwa die Agenda 2030, die Art und Weise der Unterstützung für Friedensförderung.
  8. Faktor: Die Expertise mit Konflikten umzugehen: Die Expertise etwa des deutschen Zivilen Friedensdienstes und die Existenz weiterer spezifisch zu Friedensförderung arbeitender Organisationen in Deutschland, könne deutsche Entscheidungen im Bereich Friedensförderung ebenfalls beeinflussen.

ECDPM geht davon aus, dass sich besonders die ersten beiden Faktoren, das geopolitische Umfeld und die politische Kultur in den letzten Jahren erheblich verändert haben und damit den größten Einfluss auf die Art und Weise der Unterstützung für Friedensförderung ausüben.

Im Schlusskapitel fordert ECDPM die Leserschaft auf, sich u.a. mit folgenden offenen Fragen auseinanderzusetzen: Kann die peacebuilding community neue Wege auf politischer und gesellschaftlichen Ebene identifizieren, um dem Wandel besser zu begegnen? Welche Möglichkeiten hat die peacebuilding community ihre Botschaften an die europäischen Gesellschaften und Entscheidungsträger*innen heranzutragen? Braucht es hierfür einen evidenzbasierten oder einen emotionalen Ansatz? Welche Rolle spielen neue Mobilisierungs- und Kommunikationsansätze? Wie kann man strukturellen Herausforderungen begegnen? Welche Art von neuen Netzwerken, Ressourcen und Ansätzen werden benötigt?

Links und Literatur:

Supporting peacebuilding in times of change: Case study Germany
Matthias Deneckere und Volker Hauck | ECDPM report | September 2018

Supporting peacebuilding in times of change A synthesis of 4 case studies
Andrew Sherriff, Pauline Veron, Matthias Deneckere und Volker Hauck | ECDPM | September 2018