25-10-2018

GIZ | Studie zu Extremismusprävention (PVE) in der MENA-Region

„GIZ cannot not work on PVE“ – so die Ansicht von Alexander Ritzmann, Autor der Studie „Prevention of Violent Extremism (PVE) – Methods, Approaches and Potential for GIZ Governance Interventions in the Middle East and North Africa”. Die Studie wurde vom GIZ-Fachverbund Governance in der MENA-Region (Go-MENA) in Auftrag gegeben. Der Fachverbund ging der Frage nach, welche Rolle die GIZ, und insbesondere ihre Governance-Programme, im Bereich Extremismusprävention spielen können, denn Terrorismus und gewaltsamer Extremismus bedrohen die Sicherheit und Stabilität vieler Partnerländer.

Das ist insbesondere in der MENA-Region der Fall. Laut „Global Terrorism Index“ war die MENA-Region 2016 die von Terrorismus am stärksten betroffene Region weltweit. Hier forderten terroristische Anschläge 2016 rund 13.500 Opfer – in Europa waren es im gleichen Zeitraum rund 800. Die Qualität der Regierungsführung kann für die mögliche Rekrutierung von Extremisten entscheidend sein: Laut der Studie „Journey to Extremism in Africa“ von UNDP war der Auslöser für einen Beitritt in eine extremistische Gruppe für knapp drei Viertel der Befragten, dass sie schlechte Erfahrungen mit staatlichen Akteuren gemacht hatten.

Extremismusprävention ist ein relativ junges Feld für die Entwicklungszusammenarbeit und stellt sie vor einige Herausforderungen: Aktivitäten im Bereich PVE sind oft hochpolitisch, finden häufig in einem volatilen Umfeld statt und beinhalten das Risiko, die Zielgruppe zu stigmatisieren. Zudem besteht die Herausforderung, Sicherheitskräfte in PVE-Projekte mit einzubeziehen.

„Engagement kontextbezogen gestalten“ – diese Prämisse gilt nicht nur im Bereich Frieden und Sicherheit. Die Studie zur Extremismusprävention geht einen Schritt weiter und fordert hyper-lokale Ansätze. Interventionen sollten immer auf einer genauen Analyse des hyper-lokalen Kontexts aufgebaut sein. Weitere Empfehlungen der Studie lauten: „Process over practice“ – anstelle der Übertragung von „best practices“ sollten Ansätze gewählt werden, die an sich ändernden Kontextbedingungen angepasst werden können. Außerdem sollte immer eine PVE-spezifische „theory of change“ entwickelt werden. Denn obwohl sich Aktivitäten und Ziele in den Bereichen Governance, Friedensförderung und Extremismusprävention ähneln, bedarf es laut Ritzmann eines PVE-spezifischen Ansatzes, um PVE-spezifische Wirkungen zu erzielen. Governance-Ansätze, wie die der GIZ, wirken eher auf einer primären Präventionsebene. Das heißt, sie zielen auf eine Verbesserung der Kontextbedingungen wie Korruption, Polizeiwillkür und Mangel an politischer Beteiligung der Bevölkerung ab. Damit können sie sich positiv auf die Stabilität und gesellschaftliche Resilienz gegenüber Extremismus auswirken. Um herauszufinden, ob Governance-Programme auch explizit zu sekundären Präventionszielen beitragen können, d. h. sich gezielt auf für Rekrutierungsversuche anfällige Gruppen und Personen auswirken, müssen diese genau analysiert und ggf. angepasst werden. Die Studie bietet daher Anleitungen für die Programmplanung und -gestaltung im Bereich Extremismusprävention für die GIZ und andere in diesem Bereich tätige Organisationen.

Der Autor der Studie, Alexander Ritzmann, ist Senior Research Fellow am Brandenburg Institute for Society and Security (BIGS) in Potsdam. Der Inhalt der Studie stellt nicht zwangsläufig die Position der GIZ dar. Kommentare und Anregungen zur Studie können gerne an gomena@giz.de gesendet werden.

 

Weitere Informationen:

Jana Hofmann, GIZ
jana.hofmann(at)giz.de 

Annira Busch, GIZ
annira.busch(at)giz.de 

Links und Literatur:

Prevention of Violent Extremism (PVE): Methods, Approaches and Potential for GIZ Governance Interventions in the Middle East and North Africa
Alexander Ritzmann | GIZ | August 2018

Global Terrorism Index
Institute for Economics and Peace | 2017

Journey to Extremism in Africa
UNDP | 2017

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