12-06-2018

GIZ | Vertrauen aufbauen, Zeit investieren, Chancen nutzen

Der Raum für zivilgesellschaftliches Engagement nimmt weltweit ab – wir kennen dieses Phänomen unter dem Begriff „Shrinking Space“. In vielen Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit nehmen die Spannungen zwischen Staat und Zivilgesellschaft zu, sind die Beziehungen oft von Misstrauen geprägt. Dies erschwert die Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft und wirkt sich negativ auf die Entwicklung des Landes aus.

Eine Möglichkeit mit diesem Dilemma umzugehen, besteht darin, an den Beziehungen zwischen Staat und Zivilgesellschaft anzusetzen und sinnvolle Mechanismen zu entwickeln, in deren Rahmen beide Seiten ihre jeweiligen Aufgaben erfüllen können. Das Forschungspapier „Vertrauen aufbauen, Zeit investieren, Chancen nutzen“ der Arbeitsgruppe „Zivilgesellschaft“ des GIZ-Fachverbundes GoMENA gelangt zu dem Schluss, dass gut konzipierte Governanceprogramme eine gute Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen und dem Staat fördern können. Durch Reformen der öffentlichen Verwaltung kann diese Zusammenarbeit institutionalisiert werden, und zwar auch in einem zunächst ungünstigen Umfeld. Diese These wird anhand von vier umfassenden Fallstudien in der MENA-Region (Jordanien, Palästinensische Gebiete) veranschaulicht und diskutiert.

Das Papier analysiert exemplarisch Reformprogramme, die eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft fördern, sei es bei Dienstleistungen, bei Koordinierungs- und Regulierungsaufgaben oder im politischen Dialog. So konnten im Westjordanland das Sozialministerium und die Zivilgesellschaft in den palästinensischen Gebieten sich in ihrem Kooperationsmechanismus auf verbindliche Standards für Dienstleister zur Versorgung von Menschen mit Behinderungen einigen. Ferner werden in diesem Forschungspapier die Erfolgsfaktoren benannt, die als Ausgangspunkt für die Identifikation möglicher Veränderungsprozesse in einem bestimmten Sektor dienen können. Von besonderer Bedeutung für den Erfolg von Reformen sind die Schaffung von Anreizen. Während für den Staat eher die Stärkung der Legitimation im Vordergrund steht, ist für die Zivilgesellschaft eine Mitgestaltung auf Augenhöhe unabdingbar. Als handlungsorientiertes Dokument leistet diese Forschungsarbeit praktische Unterstützung. In einer Zeit, in der zivilgesellschaftliches Engagement in schwierigen Rahmenbedingungen stattfindet, bietet das Forschungspapier „Vertrauen aufbauen, Zeit investieren, Chancen nutzen“ den Praktiker/innen wertvolle Einblicke und einen optimistischen Ausblick.

Weitere Informationen:

Luke McBain, GIZ
luke.mcbain(at)giz.de   

Ute Böttcher, GIZ
ute.boettcher(at)giz.de

Links und Literatur:

Vertrauen aufbauen, Zeit investieren, Chancen nutzen
Arbeitsgruppe „Zivilgesellschaft“ des GIZ-Fachverbundes GoMENA | Juni 2018
Sie können die englische Studie auf Nachfrage über die Ansprechpersonen zugesandt bekommen.

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