31-08-2018

Global Witness Report: 2017 war das tödlichste Jahr für Land- und Umweltverteidiger*innen

Der Global Witness Report 2017 kontrastiert: Während die Agrarindustrie floriert, tropische Wälder abgeholzt werden und der Bergbau den Konzernen weiterhin riesige Einnahmen beschert, gibt es zunehmend brutale Angriffe auf Land- und Umweltaktivist*innen. Laut dem letzten Bericht der INGO Global Witness war das Jahr 2017 mit 207 registrierten Tötungen von Land- und Umweltverteidiger*innen das bis dato tödlichste Jahr. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, da nur die registrierten Tötungen gezählt werden. Insbesondere in ländlichen Gebieten, werden Morde selten gemeldet. Zudem gibt es viele Vorfälle ohne Todesfolge, bei denen Aktivist*innen angegriffen oder bedroht werden.

Dem Bericht zufolge, ist die Agrarindustrie mit 46 registrierten Todesfälle der gefährlichste Sektor für Land- und Umweltverteidiger*innen und überholt damit erstmals den Bergbau Sektor. Mit fast 60% der im Jahr 2017 registrierten Morde, ist Lateinamerika zwar nach wie vor die gefährlichste Region für Aktivisten*innen. In vielen afrikanischen Regionen ist die Dokumentation und Überprüfung von Todesfällen jedoch weitaus schwieriger und die Datenlage damit ungenau. In Asien, haben die Philippinen die höchste Todesrate, mit 48 ermordeten Menschen. Auch die Zahl von Massakern ist im Jahr 2017 angestiegen. Der Bericht dokumentiert sieben Fälle, in denen mehr als vier Verteidiger*innen gleichzeitig getötet wurden.

Im Zentrum des Konflikts um Land und Ressourcen herrsche ein deutliches Machtungleichgewicht, so der Bericht. Auf der einen Seite stünden Geschäftsinteressen, die von mächtigen, teils staatlichen Akteuren unterstützt würden. Auf der anderen Seite versuchten einige der vulnerabelsten Gemeinschaften der Welt verzweifelt ihr Land und ihre natürlichen Ressourcen zu erhalten. Die Bereitschaft vieler Regierungen wegzuschauen, habe die systemische Straflosigkeit ermöglicht und sende den Tätern das Signal, dass sie mit ziemlicher Sicherheit niemals zur Rechenschaft gezogen werden. Global Witness zeigt jedoch, dass eine Strafverfolgung der Täter möglich ist. Sie konnten Beweise zusammentragen, die in 53 Tötungsdelikten staatliche Sicherheitskräfte und in 90 Fällen nichtstaatliche Akteure belasten.

Damit ruft der Bericht besonders Regierungen dazu auf, sich von Unternehmensinteressen zu distanzieren und ihrer Rechenschaftspflicht nachzukommen, um die Morde an denjenigen, die sich für Umwelt-und Landrechte einsetzen zu verfolgen und zu verhindern.

Neben vielen Empfehlungen, die der Bericht an staatliche wie nichtstaatliche Akteure richtet, stellt er drei zentrale Forderungen:

  • Bekämpfung der Ursachen von Gewalt gegen Land- und Umweltverteidiger*innen sowie Einhaltung und Schutz lokaler Landrechte
  • Staatliche Verteidigung und Schutz der freien Meinungsäußerung
  • Sicherstellung, dass die Angriffe auf Land- und Umweltverteidiger*innen strafrechtlich verfolgt und Firmen zur Verantwortung gezogen werden.

Links und Literatur:

Global Witness Report 2017

Kategorie