28-08-2017

Misereor | MACHT FRIEDEN – Zivile Lösungen für Syrien

Die Kampagne „MACHT FRIEDEN. Zivile Lösungen für Syrien“, die von 25 Trägerorganisationen aus den Kreisen der deutschen Friedensbewegung getragen wird, sucht Unterstützung für ihre drei Hauptforderungen: die Beendigung des Bundeswehreinsatzes in Syrien; die Fortführung des Friedensprozesses unter VN-Verantwortung; die Aufstockung der humanitären Hilfe und den Ausbau der zivilen Konfliktbearbeitung.

Am 24. Juli war Elise Kopper, die die junge Initiative koordiniert zu Besuch bei MISEREOR in Aachen und traf sich dort mit für die Friedens- sowie die Syrien-Arbeit zuständigen Kolleginnen aus dem Hause.

Während die Kampagne mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf die Umsetzung ausgewählter Forderungen abzielt – zum Beispiel mit einer an die Parlamentarier/innen des deutschen Bundestages gerichteten Unterschriftenaktion zur Beendigung des Bundeswehreinsatzes – basiert die Arbeit von MISEREOR vor allem auf der mittel- bis längerfristigen Zusammenarbeit mit lokalen Partnern in Syrien und den Nachbarländern, die einen großen Teil der syrischen Flüchtlinge aufgenommen haben.

Die Kampagne „MACHT FRIEDEN. Zivile Lösungen für Syrien“ kritisiert vor allem, dass die Syrienpolitik stark von einer Sicherheits- statt einer Friedenslogik geprägt ist, eine Auffassung, die MISEREOR teilt. Ein Instrument dieser Sicherheitslogik sind die gegen Syrien verhängten Sanktionen. Sie betreffen heute jeden Bereich des Überlebens. Besonders drastisch wirken die Sanktionen sich auf die medizinische Versorgung aus. Viele ExpertInnen sind sich einig, dass die amerikanischen und europäischen Sanktionen wesentlich zum Niedergang des Gesundheitssystems beigetragen haben. Während die pharmazeutische Industrie vor dem Krieg den Medikamentenbedarf des Landes decken konnte, musste sie ihren Betrieb inzwischen nahezu einstellen, weil die Rohstoffe fehlen. Das ist auch ein Grund für die Schwierigkeiten der humanitären Versorgung im Land.

MISEREOR sieht sich durch den Meinungs- und Informationsaustausch mit der Kampagne in seiner Auffassung bestätigt, dass der in den gängigen Medien vermittelte enge Fokus auf den Konflikt weder der Komplexität des Konfliktes noch der Realität des Alltags in Syrien gerecht wird. So engagieren sich beispielsweise Partnerorganisationen von MISEREOR in dem widrigen und volatilen Umfeld in Syrien in der Gesundheitsversorgung sowie in der Bildungs- und Sozialarbeit. Psychosoziale Unterstützung ist integraler Bestandteil aller Maßnahmen. Die Arbeit der MISEREOR-Partner und die anderer ziviler Initiativen, über die sie berichten, schafft im täglichen Miteinander konkrete Perspektiven, die durch den jahrelangen Konflikt vertieften gesellschaftlichen Gräben zu überwinden. Zum Beispiel arbeiten beim internationalen Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) Menschen jenseits kultureller oder konfessioneller Gruppenzugehörigkeit zusammen. Jede Unterstützung richtet sich ohne Unterschied an alle. Das ausschlaggebende Kriterium ist die Bedürftigkeit der betroffenen Person. Die große Mehrheit der heute in Syrien lebenden Menschen ist tagtäglich mit puren Überlebensfragen konfrontiert. Die Antwort von JRS und anderen Initiativen auf die riesige Herausforderung setzt bei einem Miteinander an und nimmt dem Konflikt damit einen Teil seiner Dynamik.

MISEREOR und die Kampagne MACHT FRIEDEN setzen nach dem Austausch ihre Arbeit mit neuen Impulsen fort. Mehr über die derzeitige Lebensrealität in Syrien und zivile Antworten auf tägliche Überlebensfragen zu wissen, kann der Kampagne in ihrer Ausrichtung helfen. Die MISEREOR-Partner über die Kampagne zu informieren kann zudem zur Wertschätzung von deren beständigem Engagement beitragen. Frau Kopper und MISEREOR werden im Dialog bleiben, um diese Punkte nachzuhalten.

Weitere Informationen:

Astrid Meyer, MISEREOR
astrid.meyer@misereor.de

Elisabeth Strohscheidt, MISEREOR
elisabeth.strohscheidt@misereor.de

Links und Literatur:

Misereor prangert Politik bei Syrien-Konflikt an "Nichts ist wirklich geschehen"
Domradio.de | März 2017

Franziskaner harren mit Misereor-Unterstützung in Aleppo aus. Helfer in der zerstörten Stadt
Domradio.de | August 2016

Wer Frieden will, muss vom Frieden her denken!
MISEREOR |Positionspapier zum Bundeswehreinsatz in Syrien | Januar 2016

Macht Frieden. Zivile Lösung für Syrien.

Netzwerk Friedenskooperative

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