08-01-2019

Misereor | Traumaarbeit als zentraler Bestandteil von Friedensarbeit und Entwicklungszusammenarbeit

Entwicklungs- und Friedensarbeit im Kontext von Trauma stellt Projektpartner vor Ort und auch Mitarbeitende von MISEREOR vor besondere Herausforderungen. Um mit diesen Herausforderungen professionell und sensibel umzugehen, organisierte MISEREOR 2017/2018 eine dreiteilige Fortbildungsreihe zum Thema traumasensible EZ. Die Seminare wurden von der Traumatherapeutin und Beraterin für psychosoziale Traumaarbeit, Dr. Simone Lindorfer, gestaltet, mit der MISEREOR bereits eine langjährige Zusammenarbeit verbindet. Teilnehmende brachten eigene Erfahrungen und Fallbeispiele aus der Projektpraxis ein. So gelang es, die Veranstaltungen jenseits einer theoretischen Annäherung an dieses komplexe Thema fallbezogen und handlungsorientiert auf den spezifischen Kontext von MISEREORs Arbeit auszurichten.

Das erste Seminar vermittelte die grundlegenden Definitionen von Trauma und die Prinzipien der Traumasensibilität anhand bestehender MISEREOR-Projekte. Es ging darum, Traumafolgen erkennen zu lernen und daraus erwachsende Reaktionen und Dynamiken im jeweiligen kulturellen Kontext zu verstehen, um eine Unterstützung möglichst traumasensibel zu gestalten.

Das zweite Seminar nahm die systemische Dimension von Trauma in den Blick und befasste sich mit den Auswirkungen von Trauma in Projekten, Teams und Organisationen. Was bedeutet es für Organisationen, in Kontexten von Trauma zu arbeiten? Wie erkennen Referent*innen aus Deutschland destruktive Traumadynamiken in Projektteams und Organisationen, mit denen sie im Ausland zusammenarbeiten, und wie können sie hilfreich darauf Einfluss nehmen? Die Arbeit MISEREORs ist geprägt von einem solidarischen Verständnis von Partnerschaft. Das bedingt ein empathisches Nachvollziehen und Miterleben der Situationen und Schicksale, denen sich Menschen ausgesetzt sehen. Auch Mitarbeitende, die von Deutschland aus arbeiten, sind Zeug*innen von großen Belastungen, die Menschen erfahren. Im Sinne der Fürsorgepflicht für Mitarbeitende ist es die Aufgabe MISEREORs, Räume dafür zu schaffen, das direkt und auch indirekt Erlebte so zu bearbeiten, dass selbst bei langjähriger Tätigkeit ein gesundes Arbeiten möglich ist und keine Abstumpfung im Sinne einer „Mitgefühlserschöpfung“ (Compassion Fatigue) eintritt.

Das dritte Seminar hatte deshalb die Themen Selbstfürsorge und organisationale Fürsorge zum Inhalt. Nach der Identifizierung möglicher Quellen für Belastung im spezifischen Arbeitskontext erlernten die Teilnehmenden notwendige Strategien der Selbstfürsorge. MISEROR arbeitet als Arbeitgeber daran, Unterstützungsangebote auszuweiten und weiter zu professionalisieren, damit Mitarbeitende Partner und Projekte adäquat begleiten können und dabei selbst langfristig gesund, motiviert und einsatzbereit bleiben.

Als Grundlage für einen vertieften fachlichen Austausch im eigenen Haus sowie mit Partnern und mit anderen Akteuren, hat MISEREOR nun ein Positionspapier „Zur Traumaarbeit als zentralem Bestandteil von Friedensarbeit und Entwicklungszusammenarbeit“ veröffentlicht. Erste Rückmeldungen von Partnerorganisationen bescheinigen dem Papier, dass es sehr hilfreich und in seiner Benennung der Herausforderungen und Empfehlungen anspruchsvoll ist. Damit ist es gerade für die Arbeit in Prozessen des gesellschaftlichen Wiederaufbaus in (Post-) Konfliktgesellschaften relevant, in denen die Grenzen zwischen „Täter“ und „Opfer“ bisweilen verschwimmen und doch überwunden werden müssen, um ein Ende von Gewaltspiralen zu ermöglichen.  

Weitere Informationen:

Dorothee Klüppel, Misereor
dorothee.klueppel(at)misereor.de

Links und Literatur:

„Verwundete Beziehungen brauchen Heilung“. Zur Traumaarbeit als zentralem Bestandteil von Friedensarbeit und Entwicklungszusammenarbeit
Dr. Simone Lindorfer | Misereor | Dezember 2018

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