27-03-2019

Plattform Zivile Konfliktbearbeitung | Parlamentarisches Frühstück mit International Alert

Wie erfahren Menschen Konflikt und Gewalt und was nehmen sie als hilfreich wahr, um Frieden zu fördern und Konflikte zu bearbeiten? Die Peace Perceptions Poll 2018 von International Altert geht genau diesen Fragen nach. Die Umfrage, die in 15 Ländern mit mehr als 100.000 Personen durchgeführte wurde, zeigt, dass politische und wirtschaftliche Inklusion eine Schlüsselrolle für Frieden und Sicherheit einnimmt. Diese Einschätzung wird vom Großteil der befragten Regionen geteilt. Politische und wirtschaftliche Inklusion als Voraussetzung für Frieden gilt demnach weltweit. Die Umfrage zeigt auf, dass die politische Inklusion durch das Problem der Korruption stark beeinflusst wird. Aufgrund von Korruption haben die Befragten das Gefühl, weniger Einfluss auf die politische Agenda zu haben als noch vor fünf Jahren. Darüber hinaus sind fehlende Jobs bzw. fehlende Möglichkeiten seine Familie zu versorgen die größte Motivation für Gewalt. Das Leitbild des positiven Friedens wird anhand dieser Faktoren deutlich.

Auf Anregung der Plattform ZKB stellte Julian Egan von International Altert Mitte März die „Peace Perceptions Poll 2018“ im Deutschen Bundestag vor. Auf Einladung des MdB Ottmar von Holtz kommentierten Ekkehard Brose, der Beauftragte für zivile Krisenprävention und Stabilisierung im Auswärtigen Amt, Ute Finckh-Krämer, Vorsitzende des SprecherInnenrats der Plattform Zivile Konfliktbearbeitung, und Thomas Helfen, Leiter des Referats Frieden und Sicherheit, Katastrophenrisikomanagement im BMZ.

Ute Finckh-Krämer verwies auf die in Deutschland bestehende Differenz zwischen persönlicher Wahrnehmung und den Ergebnissen wissenschaftlicher Statistiken über Konflikt und Frieden. Denn laut Umfrage, kommt mehr Information bzw. Bildung über Friedens- und Konflikttransformation eine wichtige Rolle zu, ebenso, sich mehr mit den grundlegenden Faktoren der Konflikte auseinanderzusetzen. Wenn dies geschehe, könnten die wichtigen Erkenntnisse der weltweiten Umfrage dazu dienen, dem Aufkommen von Konflikten effektiver präventiv zu begegnen, so Julian Egan.

Herr Brose vom Auswärtigen Amt wies auf die Relevanz von Reflexionsfragen hin: Was bedeutet „richtige“ Zivile Krisenprävention in der Umsetzung und warum scheitert man immer wieder? Als eine der Antworten stellte Julian Egan in seiner Präsentation deutlich heraus, dass eine gute Ausbildung und Ausstattung einzelner Akteure nicht ausreiche, sondern sich auch die politischen Institutionen und Behörden verändern müssten. Ottmar von Holtz bekräftigte in seiner Funktion als Vorsitzender des Unterausschusses Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und Vernetztes Handeln, dass es eines der Ziele des Unterausschusses sei, die verschiedenen Ministerien und Akteure in Deutschland zu den Themen zusammenzubringen.

Neben der von der Plattform ZKB organisierten Diskussion im Bundestag stellte International Alert die Studie u.a. beim BMZ, dem Auswärtigen Amt und FriEnt vor. Das Interesse an der Studie war somit auch in Deutschland groß und bietet wichtige Hinweise, die für den innerdeutschen Kontext berücksichtigt werden sollten.

Weitere Informationen:

Melanie Bleil, Plattform Zivile Konfliktbearbeitung
koordination(at)konfliktbearbeitung.net