26-10-2017

Studie zur Rolle junger Menschen bei der Prävention von gewaltvollem Extremismus in der Tschadsee-Region

In der Tschadsee-Region bedrohen, neben akuten Hungersnöten, terroristische Gruppen das Leben der Menschen in Nigeria, Kamerun, Niger und dem Tschad. Die bekannteste islamistische Terrorgruppe unter ihnen ist Boko Haram, deren Anschlägen seit 2009 20.000 – 30.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Boko Haram rekrutiert vorwiegend Jugendliche – das Durchschnittsalter der Tschadsee-Region liegt bei ca. 17 Jahren. Jugendliche aus Rekrutierungs-Regionen gelten aufgrund ihrer wirtschaftlichen und sozialen Lage als anfällig für gewalttätige extremistische Gruppen oder als größtenteils in ihnen aktiv. Um diesem Narrativ etwas entgegen zu setzten, plädiert die UN Sicherheitsratsresolution 2250 zu Jugend, Frieden und Sicherheit dafür, Jugend als positive „change agents“ wahrzunehmen und sie darin zu befördern auf Frieden hinwirken zu können.

Die Resolution „ersucht den Generalsekretär, eine Studie über die positiven Beiträge Jugendlicher zu Friedensprozessen und zur Konfliktbeilegung durchführen zu lassen, mit dem Ziel, wirksame Maßnahmen auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene zu empfehlen“. Die hier vorgestellte Studie „The Role of Young People in Preventing Violent Extremism in The Lake Chad Basin“ ist ein Beitrag zu dieser sogenannten „Global Study“. Die Civil Society Platform for Peacebuilding and Statebuilding (CSPPS) in Zusammenarbeit mit dem Centre for Sustainable Development and Education in Africa (CSDEA) haben die Rolle von Jugend-Organisationen und Programmen für junge Menschen im Bereich Krisenprävention und der Prävention gegen extremistische Gewalt in der Tschadsee-Region untersucht.

Sie kommen zu dem Schluss, dass viele junge Menschen trotz der Situation in ihren Ländern, aus sich selbst heraus einen positiven Beitrag zur Förderung des Friedens in der Region leisten, die Jugendlichen jedoch unter den politischen und sozialen Bedingungen leiden. Um diesem Umstand entgegen zu wirken, empfehlen sie u.a. folgende Punkte:

  • Bereits bestehende Bildungs- und „Skill-building“ - Programme zu stärken und den Fokus auf besonders schutzbedürftige Jugendliche zu legen.

  • Maßnahmen zur Geburtenkontrolle in der Region einzuführen, um langfristig Ressourcen und Förderungsprogramme für alle bereit stellen zu können.

  • Die Kompetenzen und das Vertrauen in das Justiz- und Rechtsstaatssystem zu fördern, um gewaltvollem Extremismus effektiv begegnen zu können.

  • Die Re-Integration von Rückkehrern aus extremistischen Gruppierungen zu fördern und Stigmatisierungen entgegenzuwirken.

  • Gewaltvolle Narrative zu enttarnen und ihnen positive Gegen-Narrative entgegenzusetzen.

  • Die Schlüsselrolle von Jugend und Zivilgesellschaft bei der Prävention von gewaltvollem Extremismus hervorzuheben.

  • Datenerhebungen und Forschung zu Jugend und Frieden in der Region stärker zu fördern.

  • Den Privatsektor in die Förderung von Jugendinitiativen- und Programmen einzubinden.

FriEnt ist Mitglied bei CSPPS und hat zur Erstellung der Studie, durch Vermittlung von Interviewpartner/innen und Kommentierungen der ersten Drafts, beigetragen.

Links und Literatur:

The Role of Young People in Preventing Violent Extremism in the Lake Chad Basin. A contribution to the Progress Study on Youth, Peace and Security mandated by United Nations Security Council Resolution 2250 (2015)
Theophilus Ekpon | CSPPS | October 2017

VNSRR2250 zu Jugend, Frieden, Sicherheit

Progress Study on Youth, Peace and Security