16-02-2016

Transitional Justice und Bildung: Ansätze und Potentiale der Friedensförderung

Bildung kann sowohl friedensfördernd als auch konfliktverschärfend wirken. Sie kann einerseits Dialog und Toleranz fördern, aber andererseits auch ethnische, religiöse oder Identitätskonflikte befeuern, wenn Bildungsprojekte ohne die Berücksichtigung friedensrelevanter Aspekte und kontextspezifischer Konfliktdynamiken erfolgt. Zwei Ende 2015 vorgelegte Veröffentlichungen nehmen die Zusammenhänge zwischen Transitional Justice und Bildung in den Blick. Zum einen hat das International Center for Transitional Justice (ICTJ) den Bericht „Education and Transitional Justice. Opportunities and Challenges for Peacebuilding” vorgelegt, der Erkenntnisse eines zweijährigen Projekts in Kooperation mit UNICEF präsentiert. Zum anderen hat die US-amerikanische Nichtregierungsorganisation Search for Common Ground (SFCG) den Leitfaden „Emerging Practices in Design, Monitoring and Evalution for Education for Peacebuilding Programming“ veröffentlicht, der wichtige Erkenntnisse zu Projektdesign, Überprüfung und Evaluierung auf die spezifischen Anforderungen im Bereich Bildung für Friedensförderung anwendet.

Der Bericht des ICTJ betont, dass Transitional Justice, welche sowohl mithilfe rechtlicher als auch anderer Mittel auf die Wiedergutmachung massiver Menschenrechtsverletzungen abzielt, einen wichtigen Teil der Friedensförderung in post-Konfliktländern darstellt. Bildung könne in diesem Zusammenhang das Ziel verfolgen, insbesondere Kinder und Jugendliche zur kritischen Betrachtung der Vergangenheit und der Gegenwart zu befähigen, um zu einer friedlicheren Zukunft beizutragen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen jedoch drei konkrete Aspekte in den Blick genommen werden, so die Autoren: der Zusammenhang zwischen Transitional Justice und Bildung, sowie die Umsetzung von Bildungsreformen und die Art und Weise der Lehre der jüngsten Vergangenheit. Eine systematische Betrachtung dieser Aspekte habe bislang jedoch nicht oder nicht ausreichend stattgefunden. ICTJ und UNICEF haben daher zwei zentrale Fragen in den Mittelpunkt ihres Forschungsprojekts gerückt: Wie kann Transistional Justice Reformen im Bildungssystem beeinflussen und die Reintegration von Kindern und Jugendlichen in dieses System erleichtern? Und wie kann Bildung zu den Zielen von Transitional Justice beitragen und die Herausbildung einer Kultur des Respekts für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit unterstützen?

Der Bericht versucht, diese Fragen zu beantworten, liefert dabei jedoch keine Blaupause zur Bearbeitung und Überwindung vergangenen Unrechts mithilfe von Bildung. Nichtsdestotrotz listet er eine Reihe von Überlegungen und Empfehlungen zur Herangehensweise auf, die bei der Ausgestaltung von Politiken und Programmen von Bedeutung sind. Dabei werden auch Herausforderungen in den Blick genommen, welchen bei der Verknüpfung von Transistional Justice und Bildung häufig begegnet werden muss. Allen Herausforderungen zum Trotz kommen die Autoren zum Ende der zweijährigen Forschungsphase zu dem Schluss, dass am jeweiligen Kontext ausgerichtete Ansätze zur Bearbeitung der Vergangenheit mithilfe von Bildung einen wichtigen Beitrag zur Friedensförderung leisten können.

Der Leitfaden von SFCG stellt erprobte Herangehensweisen und Lernerfahrungen der vergangenen fünf Jahre zusammen. Während viele der vorgestellten Methoden und Werkzeuge nicht neu sind, bietet der Leitfaden doch den Mehrwert konkreter Anwendungsbeispiele im Bereich Bildung für Friedensförderung, welche Projektbeispielen von SFCG oder anderer Organisationen wie Save the Children oder UNICEF entnommen sind. Darüber hinaus listet er eine Vielzahl weiterführender Informationsmöglichkeiten zu allen behandelten Themenkomplexen auf.

Der Leitfaden bietet einen sehr guten Überblick zum Thema Projektdesign, Überprüfung und Evaluierung friedensfördernder Bildungsprojekte, die Autorin betont jedoch auch, dass er nur als erster Schritt dienen könne. Letzten Endes zähle die Bereitschaft, zu lernen und gewonnene Erkenntnisse anzuwenden, um Bildungsprojekte erfolgreich umzusetzen.

Weitere Informationen

Sylvia Servaes, FriEnt
sylvia.servaes@frient.de


Links & Literatur

Education and Transitional Justice. Opportunities and Challenges for Peacebuilding
Clara Ramírez-Barat, Roger Duthie | International Center for Transitional Justice | November 2015

Emerging Practices in Design, Monitoring and Evalution for Education for Peacebuilding Programming
Rebecca Herrington | Search for Common Ground | Oktober 2015

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