21-09-2015

ZIF: Stressmanagement in zivilen Friedenseinsätzen

Im Rahmen der ZIF-Studie „Stress Management in Peace Operations“ untersuchten Cord Wiesenthal und Maren Rößler, welchen Stressfaktoren deutsche zivile Expertinnen und Experten in Missionen der EU, der UN und der OSZE ausgesetzt sind. Folgende Fragen stehen im Vordergrund der Studie: Wie gehen zivile Experten mit den psychischen Belastungen in Friedenseinsätzen um? Wie belasten verschiedene kumulative Stressfaktoren das Wohlergehen und die Motivation des Personals? Welche Unterstützung im Umgang mit alltäglichem Stress erhalten die zivilen Experten von den internationalen Organisationen?

Die Studienergebnisse basieren auf Interviews mit deutschen zivilen Experten in internationalen Friedenseinsätzen der EU, OSZE und UN und mit Personalverantwortlichen dieser Organisationen. Zentrale Ergebnisse aus den Interviews mit den ZIF-Experten machen deutlich, dass in allen Missionsphasen (Vorbereitung, Einsatz, Rückkehr) die am häufigsten genannten Stressursachen mit jobbedingten sowie Organisations- und Managementfaktoren zusammenhängen. Im Vergleich der Missionsphasen variieren die Stressfaktoren, wobei sich der Hauptteil der Einsatzzeit in der Mission zuordnen lässt.

Während des Einsatzes spielen die bereits genannten Organisations- und Managementfaktoren eine wichtige Rolle. Hierbei stechen insbesondere Konflikte mit Führungskräften, mit dem Management der Mission im Allgemeinen oder Frustration durch unklare Programmziele mit Bezug auf das Missionsmandat hervor. Dazu kommen jobbedingte Faktoren wie angespannte Beziehungen im Team, Über- oder Unterforderung, schwierige Lebensbedingungen oder Jobunsicherheit durch Kurzzeit-verträge. Die situationsabhängigen Faktoren beziehen sich vor allem auf die oft fragile politische und institutionelle Situation des Gastlandes. Weiterhin empfinden Sekundierte ihren Vertragsstatus als unbefriedigend. Mit den Vertragsbedingungen einhergehende Probleme bei sozialversicherungsrechtlichen und Steuerfragen wurden in allen Interviews als fundamentaler Stressfaktor benannt.

Für einen erfolgreichen Umgang mit den zahlreichen kumulativen Stressfaktoren in zivilen Friedenseinsätzen sind ein zuverlässiges soziales Netzwerk in der Mission und im heimatli-chen Kontext sowie Unterstützungsangebote sowohl der internationalen Organisationen als auch der sekundierenden Institutionen hilfreich.

Insgesamt hat sich ein Bild ergeben, in dem deutlich wird, dass missionsinterne Gegebenheiten den größten Stress verursachen, institutionelle Angebote aber bisher primär auf externe, sicherheitsbezogene Faktoren abzielen. Dennoch zeigt sich auf Seiten der internationalen Organisationen, dass neben traumatischem Stress auch die kumulativen Stressfaktoren zunehmend als Problem erkannt werden und es insbesondere bei der UN und der EU Angebote zu Stressbewältigung und Stärkung der Resilienz der zivilen Experten gibt.

Weitere Infos

Cord Wiesenthal, ZIF
c.wiesenthal@zif-berlin.org

Links & Literatur

Stress Management in Peace Operations
Cord Wiesenthal, Maren Rößler | ZIF | Juli 2015

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