12-08-2016

Misereor: Stärkung der Zivilgesellschaft auf Fidschi

Wie viele Inseln im Pazifik, so ist auch Fidschi reich an Rohstoffen. Neben dem Bergbau an Land beunruhigt der drohende Tiefseebergbau  viele BewohnerInnen der südpazifischen Inselstaaten und viele Nichtregierungsorganisationen (NRO), die mit ihnen arbeiten. Die großenteils indigene Bevölkerung ist dem Meer ebenso verbunden wie ihrem angestammten Land. Und schon an Land, wo der Bergbau vor den Augen aller erfolgt und die Folgen deutlich sichtbar sind, funktioniert vieles nicht: Entscheidungen kommen meist ohne (ausreichende) Partizipation der Betroffenen zustande; mit den negativen sozialen und Umweltfolgen von Exploration und Extraktion sind die Menschen häufig allein gelassen. Vor diesem Hintergrund organisierte Misereor auf Anfrage einer Partnerorganisation im Juli 2016 zwei Workshops auf Fidschi: einen mehrtägigen Workshop zu Partizipativer Kartographie (Community Mapping) sowie einen weiteren zu Advocacy- und Lobbystrategien zum Schutz der Menschenrechte und zur Konflikttransformation.

Als konkretes Fallbeispiel diente einer von mehreren gerade schwelenden Bergbaukonflikten. So will das Namosi Joint Venture (NJV), ein Konsortium aus drei internationalen Bergbaufirmen aus Australien und Japan, in den nächsten zwei Jahren die großen Kupfer- und Goldvorkommen nahe der Hauptstadt Suva abbauen. Ein Großteil der ansässigen Bevölkerung lehnt dieses Vorhaben allerdings strickt ab, denn die Ausmaße des Bergbauprojekts und die damit verbundenen Auswirkungen, wie Landverlust, Waldrodungen, Umweltverschmutzungen und der Verlust von Lebensgrundlagen wären immens. Die Menschen befürchten zudem zahlreiche soziale Konflikte und Menschenrechtsverletzungen. Unterstützung erhalten die Gemeinden durch den Misereor-Partner SEEP (Social Empowerment and Education Program). SEEP selbst nimmt grundsätzlich nicht Stellung zu diesem oder anderen Bergbauvorhaben – weder dafür, noch dagegen. Die Organisation klärt vielmehr die Betroffenen über ihre Rechte auf und setzt sich für deren Beteiligung und Mitsprache an Bergbauentscheidungen der Regierung ein. Durch eine konsequente Anwendung des Prinzips des „Free Prior and Informed Consent“ (FPIC) soll so der möglichen Eskalation eines Konfliktes entgegengewirkt und nach einvernehmlichen Lösungen gesucht werden. Fidschi ist Vertragsstaat der ILO-Konvention 169, die dieses Recht für indigene Völker garantiert.

Das Training zum Community Mapping befähigt lokale Gruppen oder Gemeinden, auf Grundlage ihrer Ortserfahrungen (Dorf, Waldgebiet, Naturraum, natürliche Lebensgrundlagen) die sozialen und ökologischen Gegebenheiten aus ihrer Perspektive digital kartographisch darzustellen. Mit den erstellten Karten haben die Gemeinden, die von Entscheidungsprozessen oftmals ausgeschlossen werden, die Möglichkeit, auf ihre Problemlage aufmerksam und ihre Ansprüche öffentlich geltend zu machen. Die Karten sind eine wichtige Grundlage, um rechtliche Fragestellungen anzugehen sowie Dialogprozesse zur Lösung von Konflikten anzustoßen. Durch den Prozess der Partizipativen Kartographie wird zudem lokales und traditionelles Wissen in einer Ge-meinschaft gesammelt und bewahrt. „Für uns ist es viel besser und einfacher, solche Karten zu erstellen, als lange Berichte zu schreiben“, so einer der Teilnehmenden.

Der auf das Community Mapping folgende kürzere Workshop zu Lobby- und Advocacy-Arbeit vermittelte Grundkenntnisse über das UN-Menschenrechtssystem, Beschwerdemechanismen gegenüber Unternehmen sowie ausgewählte Instrumenten der Konfliktanalyse. An den beiden Trainings nahmen neben MitarbeiterInnen von SEEP und weiteren NRO auch Basisorganisationen sowie DorfbewohnerInnen aus verschiedenen Explorationsgebieten für Bergbauvorhaben teil. Die Teilnehmenden – so das Feedback – fanden es bereichernd, voneinander zu lernen und anhand konkreter Beispiele Theorie und Praxiserfahrung miteinander in Verbindung zu bringen.

Weitere Informationen

Axel Müller, FAKT
axel.mueller@fakt-consult.de

Elisabeth Strohscheidt, Misereor
elisabeth.strohscheidt@misereor.de

Links & Literatur

Tiefseebergbau. Unkalkulierbares Risiko für Mensch und Natur. Im Fokus – Der Pazifik
Axel Müller | Misereor | Mai 2015

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