15-09-2016

hbs: WARonWALL – Eine Fotoausstellung über den Krieg in Syrien auf der Berliner Mauer

Der Krieg in Syrien wütet bereits seit mehr als fünf Jahren. Eine Viertelmillion Syrerinnen und Syrer sind tot. Über eine Million Menschen haben teils schwere Verletzungen davongetragen – knapp die Hälfte von ihnen Frauen und Kinder. Doch diese Zahlen sagen nicht viel aus, die menschlichen Schicksale dahinter schon. Es ist ein Paradoxon des Krieges: Die Verletzung eines einzelnen Menschen macht den größten Eindruck auf uns, dessen Gesicht wir sehen, an dessen Namen und Schicksal wir uns erinnern können. Je größer die Anzahl der Opfer, umso weniger empfinden wir.

Dem will der international renommierte Fotograf Kai Wiedenhöfer entgegenwirken. Ein Jahr lang porträtierte er kriegsversehrte Syrerinnen und Syrer in Jordanien und im Libanon: Männer, Frauen und Kinder. Ganz unmittelbar spricht aus seinen Bildern die Gewalt, die für sie alles mit einem Mal verändert hat. Sie sitzen im Rollstuhl, tragen Prothesen oder erlitten Verbrennungen. Ihre körperlichen Wunden kann man sehen, die seelischen nicht. Viele von ihnen haben Angehörige verloren – alle ihr Zuhause. Trotzdem stellen die Porträts einen Augenblick der Würde her.

Im Rahmen der Fotoausstellung WARonWALL sind die Porträts sowie großformatige Bilder der zerstörten Stadt Kobane vom 23. Juni bis 25. September 2016 an der Berliner Eastside Gallery auf 360 Metern der Berliner Mauer zu sehen. Möglich gemacht wurde diese Freiluft-Ausstellung unter Leitung der Gesellschaft für Humanistische Fotografie (GfHF) durch die Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung sowie die Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Brot für die Welt und anderen.

Die Fotografien von Kai Wiedenhöfer sollen das Leiden der syrischen Zivilbevölkerung zeigen und dem Betrachter die Wirklichkeit des Krieges näherbringen – nicht dadurch, dass das Kriegsgeschehen gezeigt wird, sondern seine Resultate. Menschen, die auch nach dem Ende des Krieges mit ihren Verletzungen werden leben müssen. Die Ausstellung ist ein Aufruf zum Handeln: Für mehr Hilfe und Unterstützung für Kriegsflüchtlinge, aber auch für ein Ende der Gewalt, für mehr politische Initiative Europas in Syrien.

Die Schicksale der Verletzten schockieren und berühren uns, wie Sundus Hawarna (11):  Sie verlor durch die Explosion einer Fassbombe ihre ganze Familie, drei Brüder sowie ihre Eltern, oder Khalid (42), der beim Beschuss seines Heimatdorfes verletzt wurde, als er seine Familie mit dem Motorrad in Sicherheit bringen wollte. Für einige Betrachter mögen diese Fotografien erschreckend sein, aber nur durch ihre Unmittelbarkeit und Intensität brechen sie unsere Apathie auf und können dazu beitragen, Veränderungen zu bewirken, so der Fotograf.

Begleitet wird die Ausstellung durch eine Reihe von Veranstaltungen. Dokumentarfilme aus Syrien vermitteln weitere Einblicke in den Alltag des Konflikts, Podiumsdiskussionen setzen sich mit den Herausforderungen von Fotojournalismus in Konflikten auseinander und syrische Aktivistinnen und Aktivisten berichten von ihren Erfahrungen. Zur Ausstellung ist außerdem ein Fotoband mit dem Titel „Syrian Collateral“ erschienen.

Weitere Informationen:

Antonie Nord, Heinrich-Böll-Stiftung
nord@boell.de

Links und Literatur:

Ausstellung: WARonWall

Buch: Syrian Collateral

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