28-09-2017

Welternährungsbericht: Engagement für nachhaltigen Frieden und Bekämpfung von Hunger müssen Hand in Hand gehen

Zum ersten Mal stellt der Welternährungsbericht den Zusammenhang zwischen Konflikt und Hunger in den Mittelpunkt und fordert eine stärkere Verzahnung zwischen Hungerbekämpfung (SDG 2) und Friedensförderung (SDG 16): mit ihrem aktuellen Bericht “The State of Food Security and Nutrition in the World 2017 – Building Resilience for Peace and Food Security” haben die Welternährungsorganisation (FAO), International Fund for Agriculture Development (IFAD) und das World Food Programme (WFP) erstmalig gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk UNICEF und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterschiedlichste Datensätze zusammen gebracht. Sie betonen in den Schlussfolgerungen aus der Datenanalyse die Notwendigkeit, Ernährungssicherung mit Friedensförderung und Gewaltprävention stärker als bisher und systematisch miteinander in Verbindung zu bringen. 

Die Zahl der Hungernden zu reduzieren – das hatte sich die Staatengemeinschaft in den vergangenen Jahrzehnten vorgenommen. Tatsächlich gab es hier auch beachtliche Fortschritte zu vermelden. So gelang es nach Angaben der FAO die Anzahl der Hungernden seit 1990 zu halbieren. In ihrem neuesten Bericht dokumentiert die Welternährungsorganisation nun einen erneuten Anstieg: Waren im Jahr 2015 noch 795 Millionen Menschen von Unterernährung betroffen, so ist im Jahr 2016 ein Anstieg auf 815 Millionen zu verzeichnen. Diese Verschlechterungen wurden besonders stark in von Konflikt betroffenen Regionen gemessen. Doch auch konjunkturelle Verlangsamung besonders in Ländern, die Primärrohstoffe exportieren, sowie Trockenheit und Überschwemmungen beeinflussen den Zugang zu Nahrung stark.

Insgesamt sind Menschen, die in von Gewalt und Konflikt betroffenen Regionen leben, mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen als Menschen, die nicht in solchen Regionen leben. Noch stärker ist die Bedrohung von Hungersnot und Ernährungsunsicherheit in andauernden Konflikten und Ländern mit fragilen staatlichen Institutionen.

Bewaffnete Konflikte und kommunale Gewalt, wie beispielsweise im Süd Sudan zerstören landwirtschaftliche Produktion, dezimieren Viehbestände und erschweren regionale und globale Marktzugänge. Wo Land aufgrund von Konflikten, aber auch durch Klimawandel und Trockenheit knapp wird, wie am Beispiel Uganda zu sehen, sind Wanderhirten dazu gezwungen, ihre Herden auf der dezimierten Fläche grasen zu lassen. Dies führt zu einer Übernutzung der gebliebenen Flächen und Wasservorräte. Im Zusammenhang mit einem Mangel an Grundwasser trägt es zu Erosion und Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit bei und führt damit zur Nahrungsmittelknappheit - Menschen, die von Landwirtschaft und Viehzucht abhängig sind, sind dazu gezwungen weiterzuziehen. Somit breitet sich die Spirale der Nahrungsmittelknappheit immer weiter aus und kann über Landesgrenzen hinweg zu Spannungen und Konflikten führen. Zudem führen durch Klimakatastrophen und Konflikte verursachte Flucht und Vertreibung zu Ernährungsunsicherheit in Aufnahmeregionen.

Hungersnöte treten besonders akut dort auf, wo Trockenzeiten und Überschwemmungen die Folgen eines Konflikts verstärken. Es ist anzunehmen, dass der Klimawandel nicht nur Ernährungsunsicherheit sondern auch Konflikte in Zukunft noch stärker beeinflussen wird.

Betrachtet man die andere Seite der Medaille, dann wird deutlich, dass viele Menschen mehr als 50% ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben. Schon ein leichter Preisanstieg kann zu Ernährungsunsicherheit und damit ggf. zu sozialen Unruhen führen. Die Konkurrenz um Zugang zu Land, Wasser und Ressourcen ist ebenfalls vielfach Auslöser von gewaltsamen Konflikten.

In dem Bericht wird abschließend dargelegt, dass Interventionen in spezifischen Kontexten die Ursachen für Konflikte vermindern können, wenn sie die Nahrungssicherheit verbessern und zur Preisstabilität und sozialer Absicherung im Falle eines Schocks beitragen. Weitere Maßnahmen können bspw. Wideraufforstungsprojekte sein, die gleichzeitig friedensfördernde Elemente mit einbinden, um das Netzwerk der betroffenen Gemeinschaft zu stärken. Auch Interventionen der Konfliktprävention sollten die Konsequenzen des Zusammenhangs von Klimaschocks, Nahrungsmittelpreis-Krisen und Konflikten in ihre Projekte mit einbeziehen.

In konfliktbehafteten Regionen ist es essentiell Menschen darin zu unterstützen, ihre Selbständigkeit weiter zu fördern und nachhaltige Widerstandskraft gegenüber externen und internen Schocks aufzubauen. Eine engere Partnerschaft zwischen humanitären, entwicklungspolitischen, friedenfördernden und internationalen Finanz-Akteuren ist dafür eine Voraussetzung, so der Bericht.

Links und Literatur:

The State of Food Security and Nutrition in the World 2017

Hungerbekämpfung und Friedensförderung: Wächst mit der Agenda 2030 endlich zusammen was zusammengehört?
Impuls 08/2017 von Caroline Kruckow und Marc Baxmann, FriEnt

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