30-06-2011

Ägypten im Umbruch

Welche Herausforderungen sehen zivilgesellschaftliche Akteure bei den aktuellen Transformationsprozessen in Ägypten? Diese Frage stand im Mittelpunkt des FriEnt-Arbeitsgesprächs mit der ägyptischen Nichtregierungsorganisation „Coptic Evangelical Organisation for Social Services in Egypt“ (CEOSS), einer Partnerorganisation des EED. Das zivilgesellschaftliche Engagement ist insbesondere in Zeiten sich auflösender und verändernder staatlicher Institutionen wichtig, so die Einschätzung der Ägypter. Die Regulierungen für zivilgesellschaftliche Organisationen müssten daher aufgehoben werden. Andernfalls drohe die „Revolutionsrendite“ zumindest im sozialen und ökonomischen Bereich auszubleiben und die politischen Erfolge der Revolution zunichte gemacht zu werden.

Neben wirtschaftlicher Unterstützung aus dem Ausland und Hilfe zur Korruptionsbekämpfung, sei es besonders wichtig, die bislang nur begrenzt organisierten Zusammenschlüsse der Protestbewegung zu fördern. Dabei reiche es allerdings nicht aus, die Unterstützung nur auf Kairo und die städtischen Gebiete zu begrenzen. Entscheidend für einen nachhaltigen Transformationsprozess sei es, auch die „schweigende Mehrheit“ der Ägypterinnen und Ägypter in ländlichen Gebieten zu erreichen, die sich bislang kaum an den Protesten beteiligt habe. Mit Blick auf die anstehenden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen sei dies umso dringender.

Ein besonderes Augenmerk müssten externe Akteure auch auf die Wahl der Partner vor Ort richten. Die Zunahme von religiös motivierten Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen religiösen Gruppen des Landes zeige deutlich, dass sich die Einheit stiftende Wirkung der Revolution langsam verflüchtige. Um einer Fragmentierung der Gesellschaft entgegenzuwirken, sei es daher wichtig, moderate Kräfte aller Gruppierungen zu unterstützen und den gegenseitigen Dialog zu fördern. Dabei sei Transparenz ein wichtiges Gebot, unter anderem auch zum Schutze der Glaubwürdigkeit externer Akteure.

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