Gewaltsame Konflikte im Tschad

Volker Gerdesmeier
| 2007

Gewaltsame Konflikte im Tschad
Ursachen, Akteure und Handlungsoptionen

FriEnt und Misereor haben eine Studie zum gewaltsamen Konflikt im Tschad he-rausgegebenen, in welcher der Autor Volker Gerdesmeier ein düsteres Bild der aktuellen Situation im Tschad zeichnet: Nach rund zehn Jahren relativer Ruhe kommt es seit 2005 immer wieder zu Kampfhandlungen und gewaltsamen Ausei-nandersetzungen größeren Ausmaßes, die noch weiter zu eskalieren drohen. Doch es gibt auch Wege, die aus der Krise führen könnten. Welche diese sind und wer wie zu deren Umsetzung beitragen kann, zeigt die Konfliktanalyse auf, die auch ein tieferes historisches Verständnis der Krise im Tschad vermittelt.

 

Es sei akut eine Eskalation der Gewalt zu befürchten, so der Politologe Volker Gerdesmeier, der die Misereor-Verbindungsstelle für Partnerberatung und Dialog in der tschadischen Hauptstadt N’Djamena leitet. Gerdesmeier betont in seiner Analyse, dass die Krise im Tschad nicht Folge eines „spill-over“ des Darfur-Konflikts, sondern Teil eines Jahrzehnte alten Regionalkonflikts sei, in dem Kriegsgeschehen und Konflikte im Tschad, im Sudan, in Libyen und in der Zentralafrikanischen Republik miteinander verwoben seien. Die internationale Gemeinschaft habe zwar begonnen, diese Verknüpfung zu erkennen, ihre Konfliktlö-sungsmechanismen trügen dem Charakter des Konflikts aber noch nicht hinrei-chend Rechnung.

 

Um eine weitere Eskalation des Konflikts zu verhindern, gäbe es mehrere Optio-nen: Zunächst könnte die internationale Präsenz von EU- und UN-Truppen im Rahmen des EUFOR- bzw. später des MINURCAT-Einsatzes dazu beitragen, dass die Zivilbevölkerung besser geschützt wird. Frankreich und die Europäische Union sollten indes angehalten werden, sich über die kurzfristige Stabilisierung des Landes hinaus für eine langfristige und tief greifende Überwindung der Gewaltstrukturen sowie für eine Demokratisierung des Landes einzusetzen. Zudem sei ist es weiterhin notwendig, Druck auf die tschadische Regierung auszuüben, dass die Eröleinnahmen transparent und konfliktsensibel verwendet werden.

Auf nationaler Ebene sei ein inklusiver, nationaler Dialogprozess notwendig, um Demokratisierung und nationale Versöhnung zu ermöglichen. Schließlich macht Gerdesmeier darauf aufmerksam, dass es im Tschad nur langfristig Frieden geben kann, wenn die Gewaltursachen bearbeitet werden und sich die tschadische Ge-sellschaft auf einem demokratischen und pluralistischen Fundament entwickeln kann.

Sprache
DE
Seitenzahl
21
Dateigröße
136,89 KB
Downloadname
Konfliktanalyse Tschad_aktualisiert.pdf