Konfliktstoff Rohstoffe

Chancen und Grenzen von Dialogprozessen


| Brot für die Welt | 2017

Trotz globaler Wirtschafts- und Finanzkrisen sind Rohstoffe weltweit mehr gefragt als je zuvor. Mit der Globalisierung von Produktionsprozessen und Dienstleistungen ab den 1980er Jahren ist der weltweite Verbrauch an mineralischen und energetischen Rohstoffen um über 80 Prozent gestiegen. Der 2015 einsetzende Preisverfall für  zahlreiche Rohstoffe könnte diesen Trend noch verstärken. Zudem wird die globale Mittelschicht, insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum, in den kommenden Jahrzehnten stark wachsen – und mit ihr der Rohstoffverbrauch. Für Asien und Pazifik wird ein Wachstum der Menschen mit mittlerem Lebensstandard, bis 2030, von gut einer halben Milliarde auf über drei Milliarden prognostiziert. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und den aus ihrem Abbau entstehenden sozialen Konflikten und Umweltzerstörungen wird demnach auch zukünftig eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleiben. Diese stellt sich auch für entwicklungspolitische Hilfswerke wie Brot für die Welt, die über ein breites Partnerspektrum im globalen Süden verfügen.

Da ein nennenswerter Anteil der natürlichen Rohstoffe aus Entwicklungs- und Schwellenländern in die Industrienation Deutschland exportiert wird, wenden sich Partnerorganisationen mit der Bitte an Brot für die Welt und Misereor, gemeinsam auf die in ihrem Land tätigen Unternehmen und die Importeure in Deutschland Einfluss zu nehmen. Im Fall der in Brasilien gelegenen, weltweit größten Erzmine Carajás entstand daraus ein sogenanntes Dialogprogramm mit Unternehmen aus der Stahl- und Aluminiumindustrie, das sich ab 1992 über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren erstreckte.

Diese Publikation untersucht und bewertet vier langjährige, transnationale, zivilgesellschaftliche Dialog- und Kampagnenprozesse mit Unternehmen und multilateralen Institutionen: das Dialogprogramm der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) zu Carajás, die Arbeit von ECOS und Brot für die Welt/Evangelischer Entwicklungsdienst zur Erdölförderung im Sudan, das Engagement der AG Tschad zur Erdölförderung im Tschad und den dortigen Dialog mit Esso und der Weltbank sowie die Arbeit von Brot für die Welt/Evangelischer Entwicklungsdienst und Ökumenisches Netz Zentralafrika (ÖNZ) zum Coltanabbau in der DR Kongo. Diese Auswertung soll dazu beitragen, die Wirkungen, Dynamiken und Fallstricke der Dialogprozesse besser zu verstehen und daraus Rückschlüsse für künftige transnationale Programme zu ziehen.

Sprache
deutsch
Seitenzahl
44
Quelle