Is there a Case for Private Sector Development Interventions in Contexts of Open and Sustained Violence?

Discussion Paper

Urs Schrade, Birgit Seibel, Christine Weinreich & Susanne Reichenbach
| Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit | 2017

In den vergangenen Jahrzehnten ist die Anzahl an Konflikten in der Welt gestiegen. Derzeit leben ca. 1,4 Milliarden Menschen (20 Prozent der Weltbevölkerung) in Kontexten von Kriese, Gewalt und Fragilität (KGF). Knapp zwei Drittel der Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) sind als fragil klassifiziert. Wirtschaftliche Entwicklung, nachhaltige Investitionen und Wiederaufbau spielen eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung von fragilen Staaten und der Friedensentwicklung in (Post-)Konflikt-Situationen. Einkommen und Beschäftigung stellen für Bevölkerung und (ehemalige) Konfliktparteien wichtige „Friedensdividenden“ dar. Darüber hinaus kann Privatwirtschaftsförderung (PWF) wesentliche Elemente der Friedensförderung und Konfliktbewältigung stimulieren. Dazu gehören Vertrauen, soziale Kohäsion, Inklusion, Empowerment, sowie die Stärkung staatlicher Institutionen und deren Legitimität.

Die Literatur zu Effekten von PWF-Maßnahmen in KGF-Kontexten adressiert in erster Linie Post-Konflikt-Situationen oder Staaten in denen Fragilität latent ist. Der gegenwärtige Forschungsstand zeigt eine Lücke, wenn es um die stabilisierende Wirkung von PWF in aktiven und andauernden Konfliktsituationen geht. Mit dem Fokus auf open and sustained violence leistet das Diskussionspapier einen Beitrag, diese Lücke zu schließen. Das Papier untersucht Fallbeispielen von GIZ Vorhaben aus dem Jemen zu (1) Solarförderung, (2) Wertschöpfungskettenförderung, (3) Internet-basierte „Business Development Services“ für Frauen, sowie aus den palästinensischen Gebieten zu (4) IT-Sektor Förderung. Es kommt zu dem Schluss, dass PWF-Maßnahmen auch in anhaltenden Konfliktsituationen fortgeführt werden sollten. Dadurch werden Arbeitsplätze erhalten und Wirtschaftsaktivitäten gewahrt. Zudem kann ein aktiver Beitrag zur Friedensförderung geleistet werden. Allerdings wird argumentiert, dass eine erfolgreiche Implementierung stark von den folgenden sechs Faktoren abhängt: (1) ein intaktes und fortführendes Projektmanagement, (2) eine realistische Bewertung der Krise und deren mögliche Auswirkungen auf die PWF-Maßnahme und die Wirtschaft allgemein, (3) einen Fokus auf die Micro- und Mesoebene (4) die Einbindung lokaler Unternehmen als friedensfördernde Akteure, (5) das Erfassen und Nutzen von Geschäftsopportunitäten die durch Konflikt entstanden sind und (6) die Nutzung von nicht-wirtschaftlicher friedensfördernder Maßnahmen.

Seitenzahl
37
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